Neues zu Walter Benjamin
Zauberlehrlinge
29. Juni 2006
Über Benjamins Beziehungen zur radikalen Pariser Intelligenz ist nach wie vor wenig bekannt. Von 1937-1939 war Benjamin bekanntlich Mitglied des von Georges Bataille, Michel Leiris und Roger Caillois gegründeten Collège de Sociologie - und auch von dessen Geheimgesellschaft Acéphale.
Den Ideen des Collège stand Benjamin fern und nah zugleich - denn fremd war ihm das Projekt ja nicht, den Faschismus auf seinem eigenen Feld zu schlagen, dessen falschen, instrumentell gehandhabten Formen der Massenmobilisierung eine echte Form neuer moralischer Gemeinschaften entgegenzusetzen.
Mehr über diese Denker des Extremen erfährt man jetzt in Stephan Moebius: Die Zauberlehrlinge. Soziologiegeschichte des Collège de Sociologie 1937 bis 1939. Konstanz 2006. 552 Seiten. 49 Euro.
Moebius stellt die Beschwörer des Heiligen, Zauberlehrlinge hat sie Alexandre Kojève genannt, in den Kontext der französischen Soziologie und der eng mit ihr verknüpften Ethnographie.
Der Autor, so Helmut Mayer gibt
ein detailreiches Bild dieser Traditionslinien, zeichnet den politischen Hintergrund und die Institutionalisierung des Collège nach, räumt den drei so unterschiedlichen Hauptprotagonisten ausführliche Abschnitte ein, widmet sich mit Walter Benjamin, Hans Mayer und Paul Ludwig Landsberg den deutsch-französischen Beziehungen am Collège und kommt auch auf die Frage der Nachwirkungen dieses Projekts.
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